Allerlei Erbauliches aus dem Leben eines Klosterzeitlers in Korea
Nun befinde ich mich schon 2 ½ Wochen in Korea und habe mich
in den Mönchsalltag eingelebt, daher viele kleine Alltagsgeschichten und
Erkenntnisse meiner exotischen Reise.
Beginnen wir doch mit der Sprache. Da ich kein Wort Koreanisch
spreche, sind die Brüder gezwungen, auf Englisch oder Deutsch mit mir zu
kommunizieren. Nun hatte ich nicht erwartet, dass die Älteren unbedingt
Englisch sprechen, dies ist in der Generation meiner Eltern und Großeltern ja
ebenfalls unüblich, doch war ich überrascht, dass auch die jüngeren Mönche die
Sprache teilweise kaum beherrschen. Wie bei so vielen Landesthemen konnte mich
Pater Bartholomäus aufklären. Ein deutscher Missionar, der nun seit Jahrzehnten
in seiner neugewählten Heimat lebt, erklärte mir, dass die Koreaner zwar fast
täglich ihren Sprachunterricht genießen, die koreanische Sprache aber so
andersartig ist, dass es vielen schwerfällt, die germanischen oder romanischen
Sprachen zu lernen – schon alleine beginnend bei den neuen Buchstaben.
Dies ist auch der Grund, weshalb ich für meine Arbeit Bruder Romano zugewiesen wurde. Da er über drei Jahre in Deutschland die Kunst der Buchbinderei lernte, beherrscht er meine Muttersprache sehr gut, sodass er auch in der Lage ist, mir Arbeitsanweisungen zu geben. Seine Hauptaufgabe besteht in der Versorgung und Pflege des Klosterfuhrparkes. Da ich meinem Vater beschämenderweise nie bei der Autoreparatur in der Garage geholfen habe, hält sich mein Fachwissen zwar in Grenzen, aber die Autos reinigen kann sogar ich, sodass ich mit den Geräten der hervorragend ausgestatteten Werkstatt die Gefährte wieder auf Hochglanz bringe.
Doch natürlich findet Bruder Romanos Ausbildung auch seine Verwendung und so entfernte er letzte Woche den Ledereinband einer koreanischen Bibel, um diesen zu reparieren. Nachdem die Bruchstellen geklebt waren, lag es an mir, die Farbe zu erneuern und so strich ich den Einband einige Male neu, bis genügend Deckung vorhanden war und half auch teilweise bei der Vergoldung.
Einiges durfte ich auch über den Ort lernen. Waegwan war
einst ein strategisch wichtiger Ort während des Koreakrieges, welchen die
Nordkoreaner erobern wollten, um weiter nach Süden vorzudringen. Die
südkoreanischen und UN-Truppen konnten dies verhindern. Kein Blogeintrag ohne
politischen Konflikt… - ach nein, falsches Land. Im Gegensatz zu Israel werde
ich hier nicht viel berichten können.
Zum Gedenken an die Schlacht finden sich vor Ort mehrere Denkmäler. Mein erster Besuch galt dem Hill 303, welches dem Massaker an amerikanischen Soldaten gedenken soll. Das dezente Denkmal vereint das asiatische Ying-Yang-Symbol mit dem amerikanischen Stern und fügt sich in die umgebende Natur ein. Die noblen Worte an die gefallenen Krieger haben mich gerührt und endeten mit der ewigen Warnung: Menschen, die den Krieg vergessen, beschwören die Gefahr herauf.
Dies ist auch der Grund, weshalb die amerikanische Basis hier gebaut wurde. Bruder Romano erklärte mir, dass der Ort ebenfalls als Waffen-Verteilungszentrum dient und erklärte lachend, dass bei einem Erstschlag wohl zuerst Waegwan getroffen wird. Doch ist zum Schutz nicht zu weit entfernt ein koreanischer Militärflughafen, sodass regelmäßig Jets in Helikopter im blauen Himmel zu erkennen oder zumindest zu hören sind. Auf meinem Weg zum Kriegsdenkmal sah ich einen Jet in sonnenerhellten Wolken eintauschen – ein atemberaubend schönes Bild. Eines Tages will ich auch in solch einer Maschine mitfliegen.
Doch bevor es wieder zu ernst wird, wenden wir uns dem
Genuss zu, genauer dem kulinarischen. Ich bin immer noch sehr begeistert von
dem koreanischen Essen (vielleicht mit kleiner Ausnahme des Tintenfisches,
dessen Ärmchen hier teilweise gegrillt auf Spießen serviert werden). An die
Stäbchen habe ich mich inzwischen ausreichend gewöhnt, um damit die meisten
Speisen aufnehmen zu können. Doch zuletzt gab es ganz klassisch Spaghetti mit
Tomatensoße. Bei dem Anblick musste ich kurz schlucken. Mit dem
Selbstbewusstsein des Anfängers steckte ich mir ein paar Nudeln in den Mund und
schlürfte diese auf, in der Hoffnung, nicht zu viel Soße im Raum zu verteilen.
Nicht gerade elegant, aber soweit ich meine Tischgenossen aus den Augenwinkeln
sehen konnte, taten sie es mir gleich. Ganz kulturunsensibel scheinen mir Gabel
(und je nach Kulturkreis Löffel) das elegantere Besteck für Spaghetti. Aber das
ist auch kein Wunder bei einem europäischen Gericht. Bei diesem Thema sollte
ich auch erwähnen, dass der koreanische Reis sehr klebrig ist, sodass dieser
leichter mit Stäbchen gegessen werden kann – so passt sich jede Kultur ihren
eigenen Gepflogenheiten an.
Und noch ein letzter Kommentar zum Essen. Wie in jedem Kloster nutzt der Abt hier ebenfalls eine Tischglocke, um die Mahlzeit für beendet zu erklären. Doch Abt Blasio verfügt mit Abstand über die monumentalste.
Um die angefressenen Kalorien abzutrainieren, wende ich mich nicht nur dem Gym zu, sondern begleitete den Prior und ein paar Mönche zum Fußballspiel. Zusammen mit einigen Jugendlichen der örtlichen Schule spielten diese erstaunlich professionell (mit richtigen Fußballschuhen) auf einem Echtrasenplatz. Vollkommen ungeübt machte ich keine sonderlich gute Figur und geriet bei der nachmittäglichen Sonneneinstrahlung auch ganz schön ins Schwitzen.
Da entschied ich mich am darauffolgenden Sonntag doch eher
mit den jungen Mönchen (zwischen 20 und Anfang 30) zu einem gemütlichen
Spaziergang und Einkehr in ein Kaffee. Dort bekam ich ein Patbingsu zu kosten.
Ein Dessert, bestehend aus Roter-Bohnen-Paste, Eisspänen, Milch und diversen
Früchten. Wahrlich köstlich!
Und zu guter Letzt konnte ich bereits wieder die Hauptstadt
besuchen. Ein Priester vermachte der Abtei Waegwan seinen gesamten Bücherbesitz
und mit zwei Fahrzeugen luden wir die wortwörtlichen Wagenladungen an Papier auf,
um sie in die neue Heimat zu bringen. Auf der langen Fahrt konnte ich mich über
Allerlei mit Bruder Romano unterhalten. So erfuhr ich, dass sich der Begriff
für Fisch im Koreanischen aus „Wasser“ und „Fleisch“ zusammensetzt. Ergo dürfen
die Mönche freitags kein Fleisch, sondern nur Wasserfleisch essen.
Selbst die Raststätten bieten eine Möglichkeit, die Kultur besser zu begreifen. Beginnen wir bei den vielen Sportgeräten, die sich dort, aber auch in den Dörfern und Städten finden lassen. Diese Förderung und stetige Erinnerung an die körperliche Fitness mag erklären, wieso die Rate der Fettleibigkeit in Korea keine 5% der Gesamtbevölkerung beträgt und in Deutschland jeder Vierte (!) diese zweifelhafte Auszeichnung genießt. Und gerade bei kurzen Fahrtpausen finde ich die Geräte sehr angenehm, um die steifen Glieder in Bewegung zu versetzen.
Bei unserem ersten Stopp interessierte ich mich für ein Denkmal, dessen Beschreibung ich trotz Google-Übersetzer nicht gänzlich verstehen konnte. Bruder Romano klärte mich auf, dass es sich dabei um eine Erinnerungsstätte der toten Arbeit bei dem Bau der Autobahn von Busan nach Seoul handele, welche 1970 gebaut wurde. Da Korea damals sehr arm war und die Sicherheitsbedingungen minimal, sollen laut Schätzungen etwa 100 Menschen verstorben sein. Diesen Männern, die sich für die Nation aufgeopfert haben, wird stets an dem gepflegten Denkmal gedacht.
Es gibt noch viele Kleinigkeiten, doch für heute möchte ich
mich auf diese Beschreibungen beschränken. Es sollte wohl schon angeklungen
sein, dass mir der Aufenthalt im Fernen Osten sehr zusagt. Nun bleibt mir nur
noch zu sagen: annyeonghi gaseyo.
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